Alternativmedizin Heile, heile Ringelblümchen
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Heile, heile Ringelblümchen

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Viele Krebspatienten lassen sich begleitend zur konservativen Therapie homöopathisch behandeln, um Auswirkungen der Chemo- oder Strahlentherapie zu mildern. Belege für die Wirksamkeit begleitender homöopathischer Behandlungen blieben Studien bislang allerdings schuldig.

Cochrane belegt Wirksamkeit

Dass homöopathische Arzneimittel Nebenwirkungen aggressiver Krebstherapien mildern bzw. vor diesen schützen können, ist das Ergebnis einer aktuellen Analyse der Cochrane Collaboration (Cochrane Database of Systematic Reviews 2009, Issue 2. Art. No.: CD004845) In einem systematischen Review analysierten Sosie Kassab vom Royal London Homeopathic Hospital und Mitarbeiter acht Studien mit 664 Teilnehmern. Alle Studien waren randomisiert und kontrolliert, sieben davon gegen Plazebo, eine gegen eine andere aktive Behandlung. Drei Studien untersuchten Nebenwirkungen der Strahlentherapie, drei Nebenwirkungen der Chemotherapie und zwei weitere postmenopausale Symptome nach Brustkrebstherapie.

Das Ergebnis überrascht Kritiker der Homöopathie wohl kaum: Vier Studien konnten keine Wirkung, zwei Studien nicht sicher eine Effekt belegen. Doch gab es zwei Untersuchungen mit geringem Biasrisiko, also qualitativ hochwertige Studien. Diese belegten positive Ergebnisse einer Lokaltherapie mit Calendulasalbe und einer Mundspülung mit Traumeel S. In der einen Studie französischer Forscher mit 254 Patienten schützte eine Salbe mit Calendula besser vor Strahlendermatitis als eine Salbe mit Trolamin, die sonst üblicherweise bei dieser Indikation eingesetzt wird. In der anderen Studie mit allerdings nur 32 Patienten erwies sich eine Mundspülung mit Traumeel S, einer Mischung aus homöopathischen Bestandteilen wie Belladonna, Arnika, Johanniskraut und Echinacea, bei Stomatitis nach Chemotherapie wirksamer als Plazebo.

Kritiker: „Natur der Homöopathie bleibt nicht belegt“

Nicht nur die Studienautoren selbst räumen ein, dass die vorliegenden Studien zu wenige sind, die Anzahl der Patienten klein, die Qualität meist gering. Edzard Ernst, Professor für Komplementärmedizin an der Peninsula Medical School stellt die Evidenz der Ergebnisse grundsätzlich in Frage und sieht die verschiedensten Probleme. Erstens fehlten unanhängige Wiederholungen von Tests vollkommen. Diese wären jedoch nötig, bevor eine der Behandlungen in die Routineversorgung übernommen werden könnte. Eine Bestätigung der Ergebnisse durch andere Forschungsarbeiten wünschen sich die Studienautoren allerdings selbst. Zweitens sei die Hautsalbe nur sehr fraglich als homöopathisch zu bezeichnen, da der Wirkstoff unverdünnt angewendet worden sei. Dass unverdünnte Heilmittel wirken, bezweifle ja eigentlich kein Mensch. Zusätzliches Problem ist laut Ernst, dass qualitativ hochwertige Studien kaum zu finden sind.

Immerhin, keine der untersuchten Studien wiesen Unverträglichkeiten oder Nebenwirkungen der „homöopathischen“ Anwendungen aus. Das wiederum ist zwar für Patienten schön, könnte aber dennoch zumindest Homöopathen ein wenig verwundern. Bleiben Fragen offen, die der Klärung homöopathischer Begriffe dienlich wären. Ist die Potenzierung eines Wirkstoffs in der Homöopathie nicht unabdingbar? Warum ließ sich bei keinem Patienten eine so genannte Erstverschlimmerung feststellen, die ja nicht selten vorkommen soll und nach der Theorie einem homöopathischen Ursache-Wirkungsprinzip folgt. Gibt es die bei den untersuchten äußerlichen Anwendungen gar nicht? Welche Wirkung ist möglicherweise den verwendeten Hilfsstoffen der untersuchten Cremes zuzuschreiben?

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Bei den vielen Ungereimtheiten wird es für viele schwierig, in den Ergebnissen der vorgelegten Studien Belege für die Wirksamkeit der Homöopathie zu erkennen. Die Ergebnisse ändern nichts an den Diskussionen und Streitgesprächen um die Wirkungen der Homöopathie, heizen diese wahrscheinlich eher erneut an.

 

von Dr. Julia Hofmann,  29.04.2009

 

 

 
 
 
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