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Der große Diäten-Bullshit

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Krise? Kein Thema bei Diäten, schließlich haben diese seit Jahrzehnten ungebremste Hochkonjunktur. Die Liste der Wege zum Wunschgewicht wird immer länger: Die einen streichen jedwedes Fett, die anderen raten zu möglichst viel Protein und Finger weg von Kohlenhydraten. Doch nicht nur der Jojo-Effekt zeigt anhand der gnadenlos zurück nach rechts wandernden Zeiger der Waage, wie wenig von den zahllosen Methoden zu halten ist.

Allen Predigten der Diät-Apostel zum Trotz: Die Zusammensetzung dessen, was wir uns täglich servieren, hat keinerlei Bedeutung für die Reduzierung des Körpergewichts. Relevant ist nicht, ob die Kalorien aus Fetten, Proteinen oder Kohlehydraten stammen. Was auf der Waage einzig und allein zu Buche schlägt, ist die Menge der zugeführten Kalorien. Sind es weniger, als der Körper verbraucht, schwinden die Kilos. Sind es jedoch mehr, sammeln sie sich hartnäckig weiter an. Worauf es also ankommt, ist die Energiebilanz. Diese bereits vielfach vertretene These wird nun so eindeutig wie nie zuvor untermauert. Die Qualität der aktuellen Daten aus den USA bewerten Experten auch jenseits des Atlantiks als sehr hoch und verlässlicher als aus früheren Erhebungen. Denn bislang bestand ein Evidenzdefizit zur Effizienz unterschiedlicher Diäten – die Ergebnisse wissenschaftlicher Untersuchungen waren uneinheitlich und oft widersprüchlich. Woran es mangelte, waren Studien mit genügend hoher Teilnehmerzahl und über einen ausreichend langen Untersuchungszeitraum hinweg. Diese Lücke hat die kürzlich veröffentlichte US-Studie nun geschlossen.

Besser FDH

Die zentrale Frage dieser Studie war, ob sich die Bevorzugung von Fett, Proteinen oder Kohlehydraten möglicherweise vorteilhaft auf die Gewichtsabnahme auswirkt – Übergewichtige mithin von einer spezifischen Nährstoffzusammensetzung profitieren können. Dazu setzten sie insgesamt 811 übergewichtige Personen auf vier unterschiedliche Diäten und überprüften den Verlauf ihrer Gewichtsabnahme über zwei Jahre hinweg. Die Studienteilnehmer waren im Alter zwischen 30 und 70 und hatten einen Body Mass Index (BMI) zwischen 25 und 40. Vierzig Prozent der Probanden waren Männer; ein Novum bei Diät-Studien. Zu den Ausschlusskriterien gehörten unter anderem Typ-1- und Typ-2-Diabetes, kardiovaskuläre Erkrankungen sowie die Einnahme von Medikamenten mit Einfluss auf das Körpergewicht.

Die Diäten setzten sich wie folgt zusammen: 20 Prozent Fette, 15 Prozent Proteine und 65 Prozent Kohlenhydrate sowie 20 Prozent Fette, 25 Prozent Proteine und 55 Prozent Kohlenhydrate. Diese fettarme, jedoch kohlenhydratreiche Kost erhielten zwei Probandengruppen über den Untersuchungszeitraum hinweg. Die beiden anderen Gruppen ernährten sich zum Vergleich fettreich und kohlenhydratarm mit 40 Prozent Fetten, 15 Prozent Proteinen und 45 Prozent Kohlenhydraten beziehungsweise 40 Prozent Fetten, 25 Prozent Proteinen und 35 Prozent Kohlenhydraten. Jede dieser vier Diäten lieferte jeweils 750 Kilokalorien weniger, als täglich verbraucht wurde.

Das erste Outcome der Studie war die Veränderung des Körpergewichts nach den zwei Jahren. Der zweite Zielparameter war die Veränderung des Bauchumfangs; bekanntlich gilt bauchbetontes Übergewicht inzwischen als eigenständiger Risikofaktor.

Nach sechs Monaten wurde dann zum ersten Mal gewogen: Die vier Gruppen hatten durchschnittlich sechs Kilogramm an Gewicht verloren. Dabei war diese Abnahme bei allen Probanden gleich ausgeprägt, mithin also unabhängig von der jeweiligen Diät. Das gleiche Bild präsentierte sich den US-Wissenschaftlern nach Beendigung ihrer Studie. Der Gewichtsverlust der Teilnehmer blieb vergleichbar und zwar unter jeder der vier verschiedenen Nährstoffzusammensetzungen. Ob 15 oder 25 Prozent Proteine – die durchschnittliche Gewichtsabnahme nach den zwei Jahren betrug 3,3 Kilogramm. Auch zwischen der fettarmen Ernährung mit 20 und der fettreichen mit 40 Prozent Fetten gab es mit 3,3 Kilogramm in beiden Gruppen keinen Unterschied. Ebenso wenig bei den Kohlenhydraten: Sowohl die Gruppe mit 35 wie mit 65 Prozent Kohlenhydratanteil in der Nahrung wog nach Studienende jeweils 3,2 Kilogramm weniger. Beim Bauchumfang zeigte sich ebenfalls kein signifikanter Unterschied in den einzelnen Gruppen.

Diese Ergebnisse bestätigen, dass die spezifische Zusammensetzung einer kalorienreduzierten Kost keinen Einfluss auf die Gewichtsabnahme hat. Klinisch bedeutsam ist ausschließlich die täglich zugeführte Kalorienmenge. Mit anderen Worten und nun wissenschaftlich verbürgt: Übersteigt der Energieverbrauch die Energiezufuhr, nimmt man ab. Umgekehrt nimmt man zu. Also doch besser mit FDH zur Traumfigur?

Kein Freibrief zum Schlemmen

Als Freibrief zum unkontrollierten Essen wollen die US-Wissenschaftler ihre Resultate allerdings keinesfalls interpretiert wissen. Auch wenn sich die Zusammenstellung des Speiseplans nicht auf der Waage auswirkt – gesundheitlich macht es einen Unterschied, wie viele Prozent Fett, Protein und Kohlenhydrate auf den Tisch kommen. So reduzierten sich bei den Studienteilnehmern die LDL-Werte unter den fettarmen und kohlenhydrateichen Diäten mit fünf Prozent stärker als unter den fettreichen und kohlenhydratarmen mit nur einem Prozent. Das HDL-Cholesterin erhöhte sich wiederum um neun Prozent durch eine kohlenhydratarme als durch eine kohlenhydratreiche Ernährung um sechs Prozent. Auch der Insulinspiegel im Serum senkte sich mit der kohlenhydratbetonten Kost nur um sechs versus zwölf Prozent in der anderen Gruppe.

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Nicht zu vergessen, was die US-Studie noch ergab: Ebenso wie dem Körpergewicht ist auch dem gefürchteten Jojo-Effekt »fettarm« und »kohlenhydratarm« oder umgekehrt einerlei. Denn ungeachtet der regelmäßigen Ernährungsberatung nahmen die Teilnehmer im Verlauf der Studie wieder zu. In allen Gruppen, also unter jeder der vier Kostformen, reduzierte sich das Gewicht nach einem halben Jahr zunächst um sechs Kilogramm. Zwei davon waren jeweils zum Ende der Studie zu alten Maßen zurückgekehrt. Auch gegen dieses Dilemma hat sich noch keine Diät gefunden...

 

von Dipl. biol. Birgit Frohn,  31.07.2009

 
 
 
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