Strahlentherapie Radiotherapie: Die Kreisel-Bestrahlung
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Radiotherapie: Die Kreisel-Bestrahlung

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Selbst komplex geformte Tumoren und Zielvolumina präzise zu bestrahlen und dabei umliegende Normalgewebe möglichst zu schonen, ist Ziel der Strahlentherapeuten. In den vergangenen Jahren kamen sie dank der intensitätsmodulierten Radiotherapie (IMRT) diesem Ziel immer näher. Bei diesem Verfahren kann nicht nur das Bestrahlungsfeld genau eingegrenzt, sondern auch die Strahlendosis innerhalb der Feldfläche moduliert werden. Nachteil dieser Methode ist jedoch die relativ lange Bestrahlungszeit von bis zu 15 Minuten. „Nicht alle Patienten schaffen es, über die gesamte Dauer einer solchen Bestrahlung absolut ruhig zu liegen, was dazuführt, dass die Behandlung an Präzision verliert“, berichtet Dirk Bottke, leitender Oberarzt der Klinik für Strahlentherapie an der Universitätsklinik Ulm.

In Ulm gibt es seit kurzem ein Verfahren, das mit deutlich kürzeren Bestrahlungszeiten auskommt. Bei der so genannten RapidArc-Technologie wird die IMRT mit einem rotierenden Strahlerkopf kombiniert, die Bestrahlungsdauer verringert sich dabei auf zwei bis vier Minuten pro Sitzung. Der Strahlerkopf an einem Linearbeschleuniger dreht sich dabei mit genau definierter Geschwindigkeit einmal um den liegenden Patienten.

Geeignet besonders für Prostatakarzinome und Kopf-Hals-Tumoren

Zugleich bewegen sich 120 im Strahlerkopf angeordnete Lamellen, mit denen die Strahlendosis während der Rotation genau der Form und Beschaffenheit des Tumors angepasst werden kann. „Durch die Ausnutzung der vollen Umdrehung um den Patienten lässt sich die Röntgenstrahlung so justieren, dass auch Tumoren beziehungsweise Zielvolumina mit irregulärer Form präzise getroffen werden“, sagt Katharina Mair, Medizinphysikerin in der Klinik für Strahlentherapie der Uniklinik Ulm. Besonders geeignet sei das Verfahren deshalb für Patienten mit Prostatakarzinomen oder Kopf-Hals-Tumoren, die sich in unmittelbarere Nähe von anderen, besonders strahlenempfindlichen Organen befinden.

Da die Bestrahlung der Prostata bei Patienten mit einem Prostatakarzinom mit voller Blase erfolge, so Mair, sei die kürzere Behandlungsdauer für die Betroffenen eine große Erleichterung. Ein weiterer Vorteil für die Patienten ist der Wegfall der bei anderen Verfahren notwendigen Pausen, wenn der Strahlerkopf in die nächste Position fährt. Beim RapidArc-Verfahren ist dadurch für die Patienten klar erkennbar, wann bestrahlt werde und wann nicht.

Aufwändige Berechnung

Um einen Bestrahlungsplan für den Patienten anzufertigen, wird zuerst ein Computertomogramm der betroffenen Region erstellt. Mit Hilfe spezieller Optimierungsalgorithmen wird dann die Dosisverteilung um das Zielvolumen für die Bestrahlung kalkuliert. Da sichergestellt werden muss, dass einerseits der Tumor die maximale Strahlendosis erhält, andrerseits das den Tumor umgebende Gewebe möglichst wenig bestrahlt wird, ist diese Berechnung sehr kompliziert und zeitaufwändig. Vor Beginn jeder Bestrahlung wird mit Hilfe eines integrierten Computertomographs nochmals die genaue Lage der anvisierten Zielregion ermittelt. Durchschnittlich wird jeder Patient rund 40mal bestrahlt, um auf die nötige Gesamtdosis zu kommen. Beim Prostatakarzinom beträgt diese zwischen 76 und 78 Gray.

Auch wenn das neue Verfahren für das umgebende Gewebe relativ schonend ist, haben Patienten mit den bisher bei Bestrahlungen üblichen Nebenwirkungen zu rechnen, die vor allem in der zweiten Behandlungshälfte auftreten können. Zum Beispiel Patienten mit Prostatakrebs müssen dabei häufiger auf die Toilette, da Blase und Enddarm vorübergehend entzündet sein können. Zwei Wochen nach Beendigung der Strahlentherapie klingen die Beschwerden normalerweise schnell wieder ab.

Spätfolgen nicht ausgeschlossen

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Allerdings, so Bottke, komme es bei drei bis fünf Prozent der Patienten nach einigen Jahren zu Spätfolgen der Behandlung, die sie in ihrer Lebensqualität beeinträchtigen könnten. Dabei handle es sich in erster Linie um chronische Entzündungen der Blase und des Enddarms. Rund die Hälfte der Patienten, so der Mediziner, habe fünf Jahre nach der Strahlentherapie mit Potenz-Einschränkungen zu rechnen. Ob das RapidArc-Verfahren für einen Patienten geeignet sei, findet Bottke, hänge deshalb in erster Linie von der Tumorart und -lokalisation, dem daraus resultierenden Zielvolumen und der Strahlenbelastung umliegender Gewebe ab.

 

von Dr. Thorsten Braun,  24.06.2010 

 

 
 
 
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