Interessantes Versetzt der Glaube Nierensteine?
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Versetzt der Glaube Nierensteine?

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Calsidyrose /Flickr

Viele Studien zeigen, dass religiöse Menschen besser mit ihrer Krankheit umgehen können als andere. Ob sie auch schneller gesund werden, ist jedoch umstritten. Ebenso wie das „

„Und sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund“. Das Zitat frei nach dem Matthäus-Evangelium ist den meisten Christen geläufig. Und wie steht es mit der Gesundheit jenseits der Seele? Hilft der Glaube auch dem Immunsystem und dem Heilungsprozess nach Verletzungen und Krankheiten? Je nach Studie gibt es ein eindeutiges „Ja“ oder ein „Wir wissen es nicht.“

Pastoren haben mit die höchste Lebenserwartung in Deutschland. Nonnen und Mönche werden signifikant seltener krank. Eine große Analyse von Mainzer Forschern aus Archiv-Daten zeigte jedoch im Jahr 2003, dass der Glaube bei der Gesamt-Sterblichkeit nur eine untergeordnete Rolle spielt. Möglicherweise macht er aber dem Kranken das Leben leichter und senkt das Risiko von Depressionen. Aber auch nur dann, wenn er lebensfroh und zuversichtlich ist, nicht ängstlich oder hadernd.

 

Glaube = Heilung mit Placebo-Effekt?

Die Heilanstalten in früheren Zeiten waren zumeist Klöster. Das Wissen über wirkungsvolle Medizin übertrugen die Schriften zusammen mit Glaubenswahrheiten, beide waren untrennbar miteinander verbunden. Im Wallfahrtsort Lourdes sollen sich seit Mitte des neunzehnten Jahrhunderts etwa 6000 unerklärliche Heilungen ereignet haben, 67 davon sind von kirchlichen Kommissionen anerkannt. Andererseits tummeln sich im Dunkelgrau-Bereich der christlichen Medizin viele selbsternannte Wunderheiler. Sie versprechen ihren Kunden, sie von ihren Schmerzen zu befreien, wenn sie sich nur ganz auf sie einlassen. Nicht selten klappt das sogar, weil allein schon der Glaube ans Gesundwerden wie der viel diskutierte Placebo-Effekt wirkt. Die feste Vorstellung einer Linderung kann Schmerzzentren im Gehirn beeinflussen und sogar Herzschlag und Stoffwechsel verändern.

 

Nur tiefer Glaube hilft wirklich

So überrascht auch nicht das Ergebnis einer Untersuchung der Universität Chicago. Danach ist über die Hälfte der amerikanischen Ärzte davon überzeugt, dass Religion einen starken Einfluss auf die Genesung ihrer Patienten habe. Von Brustkrebs-Patientinnen in der onkologischen Fachklinik in Bad Kreuznach berichtet Sebastian Murken, dass besonders tiefreligiöse Patientinnen ihren Heilungsprozess positiv beeinflussen. Sie glauben an den liebenden und vergebenden Gott, jedoch nicht an jemanden, der sie mit ihrer Krankheit strafen wolle. Eine „mittlere Alltagsreligiosität“ mit Verunsicherung und Zweifeln kann aus dem Glauben keinen Nutzen im Kampf gegen den Krebs ziehen. „Eine Religion hilft vor allem denen, die stark daran glauben, dass sie ihnen hilft“ , so Murken in der „Zeit“. Das bestätigt auch eine italienische Untersuchung an Patienten nach einer vorangegangenen Lebertransplantation. Wer ganz aktiv den Kontakt mit seinem Gott suchte, hatte bessere Chancen als solche, die sich hilflos gegenüber der Krankheit sahen.

Schließlich gibt es aber auch eine ganze Reihe an Studien, die den Krankheitsausgang völlig unabhängig von der religiösen Einstellung sehen. So stellte 2009 eine Cochrane-Übersicht über 10 Studien fest, dass ein Gebet dem Patienten nicht hilft, schneller gesund zu werden und dann auch zu bleiben. Auch bei älteren Patienten macht es eher die Qualität als die Quantität ihres Glaubens. Häufiger Kirchenbesuch, so ein Ergebnis der Untersuchung von Kathleen Lawler-Row aus dem amerikanischen Kentucky, hilft wohl nicht besser als ein guter Glaube. Er sorgt für seelische Ausgeglichenheit und verhilft in der Folgen dann auch zu besserer Gesundheit - quasi als Immunisierung gegen Depression.

 

Selbst-Transzendenz im hinteren Scheitellappen©

peneli /Flickr

Wo aber im zentralen Nervensystem wirkt ein starker Glaube? Italienische Forscher der Universitäten von Udine und Rom präsentierten dazu Anfang dieses Jahres einen interessanten Artikel in der Fachzeitschrift „Neuron“: Sie untersuchten 68 Patienten mit Meningeomen und Gliomen vor und nach einer Hirnoperation und fragten nach der Fähigkeit zur Selbsttranszendenz, also dem Gefühl, Teil eines höheren Kosmos' zu sein und mit ihm zu verschmelzen. Bei einem Eingriff im hinteren Scheitellappen berichteten die Interviewten häufig von einem Anstieg solcher Erfahrungen. In diesem Bereich des ZNS laufen auch die Informationen über Bewegung, Raum und Körperwahrnehmung zusammen und helfen damit, das ICH vom DU und der Umwelt zu unterscheiden. Eine amerikanische Arbeitsgruppe verortet dagegen spirituelle Erfahrung und die Fähigkeit, im Menschen das Ebenbild Gottes zu sehen, in einem anderen Gehirnbereich. fMRI-Analysen deuten auf den Temporallappen, dort wo Neuronengeflechte Erinnerung und Sprache umsetzen.

 

Meditation schafft Rennstrecken im Gehirn

Weltweit bekannt wurden Studien von Richard Davidson von der Universität von Wisconsin an tibetanischen Mönchen in der Röhre eines Kernspintomografen und an EEG-Elektroden. Die Bilder auf den Monitoren zeigten, dass tiefe Meditation ein Zustand ausserordentlicher Wachsamkeit ist und sich verschiedene Bereiche der Gehirnrinde auch anatomisch verändern. Spirituelle Übung verleiht offenbar die Fähigkeit zur ultraschnellen Kommunikation zwischen Gehirnbereichen. Die gemessenen Gammawellen waren etwa dreißig Mal so stark wie bei der Kontrollgruppe. Aber der Effekt war nicht nur bei meditations-geübten Mönchen erkennbar, sondern auch bei Laien nach einem mehrwöchigen Training in geistlicher Vertiefung. Nach dem Motto „Mens sana in Corpore sano“ wirkte die Meditation aber nicht nur erfrischend auf das Denkvermögen sondern verlieh auch einer Grippeschutz-Impfung einen deutlich erhöhten Antikörper-Titer, so das Ergebnis einer Forschergruppe aus dem amerikanischen Massachusetts.

Im New England Journal erzählt der Chirurg Jerome Groopman vom Beth Deacon Israel Medical Center in Boston von einer älteren Patientin mit Brustkrebs im fortgeschrittenen Stadium. Als er Anna, so der Name der Seniorin, über die Möglichkeiten der Chemotherapie informierte, erklärte sie ihm ihre Angst und bat ihn, für sie zu beten. Groopman erwog die positiven therapeutischen Aspekte eines Gebets und einer vertrauensvollen Arzt-Patientenbeziehung. „Welches Gebet wäre es denn?“, fragte er zurück. Anna sagte: „Beten Sie zu Gott, dass er meinen Ärzten Weisheit gebe“.

 

 

 
 
 
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